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Mit "Hp 1" ins Stumpfgleis
Miltenberger "Sägefahrten" 1972
 
Von Reinhard Gumbert, Aachen
 

Miltenberg Hbf hatte zwei Besonderheiten: Zum einen standen dort nämlich noch bis in die 70er Jahre alte bayerische Flügelsignale. Und zum zweiten gab’s ein abstruses Manöver bei durchgehenden Zügen. Denn hier war Sackbahnhof und das erforderte einen ungewöhnlichen Betriebsablauf:

Züge aus Aschaffenburg fuhren mit „Hp 2“ gerade hinein und verließen nach dem planmäßigen Halt den Hbf. wieder mit Ausfahrsignal „Hp 1“ – geschoben! So ging es rückwärts hinaus, wohl gut 500 Meter, in ein Ausziehgleis, das parallel zum Streckengleis aus Aschaffenburg lag. Dort wurde erneut Kopf gemacht und mit weiterem Ausfahrsignal – diesmal „Hp 2“ - ging es wieder vorwärts heraus, nunmehr nach links abzweigend, am Hbf vorbei über die Mainbrücke zum Bf. Miltenberg Nord und weiter nach Wertheim-Lauda. Genauso in Gegenrichtung, nur eben umgekehrt.

Dieses abstruse Verfahren fand nicht etwa nur für die eine oder andere Übergabefahrt mit einer Köf statt, sondern mehrfach täglich: Mit zwei der drei Eilzug-Paare nämlich in der Relation Frankfurt-Aschaffenburg-Miltenberg-Lauda-Ulm (-Friedrichshafen), die nicht etwa in Miltenberg Nord hielten, um dann am Hbf. vorbei durchzufahren, sondern eben jene Sägefahrten absolvierten! Ebenso natürlich, selbstredend, sämtliche Personenzüge (VT 95/98) von und nach Wertheim.

Während die genannten Eilzüge bis Sommer 1971 alle von Crailsheimer 023 auf Ulmer 215 umgestellt worden waren, gab es im Winterfahrplan 1971/72 noch ein Zugpaar mit BR 065 in der Relation Aschaffenburg - Miltenberg Nord: N 3303 werktags Aschaffenburg (6.49) – an Miltenberg Hbf ohne Halt vorbei – Miltenberg Nord (7.49), der dann als N 3376 Miltenberg Nord (8.00) – Sägefahrten - Miltenberg Hbf (an 8.05) zurück und weiter fuhr. (Alle genannten Fahrplanzeiten sind aus Sommer 1972, da mir aus 71/72 kein Kursbuch vorliegt; es dürften sich aber keine Änderungen ergeben haben.) - Der Gegenzug zurück nach Aschaffenburg verkehrte am späten Vormittag. Ich erlebte ihn am 18.03.1972 mit 065 008.
Text und Fotos von Reinhard Gumbert.


  Galerieübersicht

18. März 1972


  Miltenberg
 

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Die Lok kam Lz aus dem kleinen „Bw“ und setzte in Miltenberg Hbf auf die „Rückseite“ des Wagenparks, den sie morgens, wie oben beschrieben, als N 3303 bzw. N 3376 aus Aschaffenburg über Miltenberg Nord gebracht hatte, um ihn nun, gegen 11.20 Uhr, zunächst als Leerzug an seinen Einsatzbahnhof Miltenberg Nord, grad’ auf der anderen Seite des Mains, zu bringen.






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„Ausfahrt frei“ zum Herausschieben ins Ausziehgleis!






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Interessanterweise gab es kein „Hp 2“, was ich bei der Sägefahrt eigentlich erwartet hätte, sondern nur Hp 1. Die Signale „konnten“ gar kein Hp 2! So ging’s in Miltenberg notgedrungen mit Hp 1 ins Stumpfgleis…






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…und wie in besten Essener Wendezugzeiten hinaus.






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Während die Fuhre draußen Kopf machte, wurde ein weiteres der insgesamt vier Ausfahrsignale aus Hbf gezogen: Offenbar für N 3621, einen 798 ab 11.28 h über Amorbach - Walldürn nach Seckach, den ich leider nicht fotografierte. Doch das Ensemble der bayerischen Ausfahrsignale des Hbf. mit dem „normalen“ Durch-
fahr-Signal draußen auf der Strecke von Wertheim-Miltenberg Nord her war mir eine gesonderte Aufnahme wert.






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Nun kommt 065 008 mit dem Leerpark aus dem Ausziehgleis zurück und dampft die Rampe zur Mainbrücke hinauf und weiter nach Miltenberg Nord. Für mich war nun Pause, denn die 065 008 mußte drüben in Miltenberg Nord ja erst umsetzen und den „Mittags-Eilzug“ E 1750 Ulm-Wiesbaden durchlassen, der nur in Nord hielt und als einziger den Hbf. „links liegen“ ließ.






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So wechselte ich hinüber in die kleine Lokwendestelle, das „Bw“ Miltenberg, das ebenfalls sehenswert war: Ein „Schrebergarten-Bw“, mitten im Kohl und Getreide, und mit sauber gepflegtem Rasen bis an die Schienenkante! In diesem Idyll stand 050 751 vom Bw Nürnberg Rbf, das seinerzeit die 50er für Aschaffenburg stellte. Eine Augenweide, die gepflegte 50er im schönen Miltenberg.







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Nun kam der „richtige“ N 3310 aus Miltenberg Nord (ab 12.26) herüber und fuhr parallel zum Streckengleis Hbf.-Aschaffenburg (im Vordergrund) in das Ausziehgleis ein…






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…um sogleich nunmehr mit „Hp 2“ unter den wachsamen Augen des Zugführers in der offenen Packwagentür in den Hbf. zurückzudrücken.






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Es konnten ohne weiteres Parellelfahrten vom Ausziehgleis in den Hbf. und von Aschaffenburg oder Amorbach in den Hbf stattfinden. Dies bestätigt sich hier, denn auch für N 3311 aus Aschaffenburg war die Einfahrt nach Miltenberg Hbf. schon mit „Hp 2“ gezogen.






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Da kommt N 3311, planmäßige Ankunft 12.33 h, mit der heute in den Niederlanden noch betriebsfähigen 065 018, der letztgebauten 65.






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Um 12.34 h, immerhin nur 8 Minuten nach der Abfahrt in Miltenberg Nord und eine Minute nach Ankunft des Gegenzuges N 3311, fährt N 3310 weiter nach Aschaffenburg.






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Die mit N 3311 hereingekommene 065 018 hatte gerade erst von ihrem Wagenpark (ganz rechts) abgesetzt, um zurück ins Bw zu fahren (Bildmitte im Hintergrund), als die Nürnberger 050 751 mit einem Güterzug nach Aschaffenburg aus Miltenberg Hbf. ausfuhr.






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Nur eine knappe Stunde später bespannte die inzwischen im „Schrebergarten-Bw“ gedrehte 065 018 den N 3314 (ab 13.34 h) nach Aschaffenburg, musste aber zunächst noch den Anschluß-VT 98 N 3382 aus Wertheim abwarten, der hier die Rampe von der Mainbrücke herunterkommt, um ins Ausziehgleis und zurück in den Hbf. zu brummen









Quelle:
Link  zu Reinhard Gumberts Originalbeitrag im Forum "Historische Bahn" von drehscheibe-online.de und der anschließenden Diskussion.






© Reinhard Gumbert, Rolf Schulze
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